Fotos: © Claudia Spinelli
Esther Hunziker
Die Starrheit der Maschine ins Wanken bringen
Portrait von Claudia Spinelli
Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Sie beschäftigt die Gesellschaft – und auch die Kunst. An forderster Front mit dabei ist die Medienpionierin Esther Hunziker. Mithilfe generativer KI-Programme entwickelt sie Bilder, die sich den Stereotypen, die Big Tech zementiert, mit Witz und Intelligenz widersetzen.
Alles ist Suggestion – der feste Stoff, der in eleganten Faltenwürfen vom Kopf über eine körperhafte Silhouette fällt, die Schultern und die Arme, die sich abzeichnen. Doch sehen, ob, was oder wer da vor uns steht, können wir nicht. Denn die Drehungen der verschleierten Figur, die eigentlich das Gesicht zum Vorschein bringen müssten, münden in immer wieder neue Faltenwürfe. In «Foldings» zeigt Esther Hunziker eine Hülle ohne Körper – verführerisch, sehnsuchtsvoll, hohl. Von einem Plattenspieler ertönt in monotonem Singsang «I want to live, I want to love». In der endlos anmutenden Wiederholung wird die weibliche Stimme zum Echo. Die wandfüllende Projektion – sie war unlängst im Basler Ausstellungsraum Klingental zu sehen – ist die neuste Arbeit von Esther Hunziker. Mithilfe von KI erstellt, ist sie fast so etwas wie das Kondensat eines Vorstellungsraumes, der sehr umfassend ist, ohne aber je konkret zu werden. Egal ob man ein Gespenst sieht oder das Bild dem Stereotyp aufbegehrender muslimischer Weiblichkeit zuordnet: Mögliche Bedeutungen werden ebenso schnell überschrieben, wie sie aufgekommen sind.
Körperlichkeit ohne Körper, Sehnsucht ohne Subjekt
Wenn Esther Hunziker mit KI arbeitet, dann schöpft sie aus einem kulturellen Gedächtnis, das nicht nur erinnerungssatt ist, sondern auch Typisierungen in sich trägt, die für die heutige Gesellschaft prägend sind. Diese werden allerdings nicht einfach übernommen, sondern gezielt mit Widersprüchlichkeiten und von eingebauten Brüchen durchsetzt. Es ist die Leistung der Künstlerin, ein Stück Poesie zu kreieren, das nicht nur anspricht und verführt, sondern gleichzeitig seine eigene fragwürdige Struktur offenlegt und widerständig bleibt: Körperlichkeit ohne Körper, Sehnsucht ohne Subjekt. Wir können die geisterhafte Figur in «Foldings» als ein Sinnbild für all die Versprechungen und Erwartungen lesen, die aktuell mit der KI in Verbindung gebracht werden. Sie ist ebenso Wirtschaftsfaktor wie Spekulationsblase, revolutionäre Technologie, ein spätkapitalistisches Phantom.
«Foldings» wird dieses Jahr wohl noch in weiteren Institutionen und Museen zu sehen sein: Die Ausstellungsagenda von Esther Hunziker ist voll. KI beschäftigt die Gesellschaft und – kaum verwunderlich – auch die Kunst. Einige Aufmerksamkeit erhielt letzthin der türkisch-amerikanische Künstler Refik Anadol. Seine Werke – morphende Strukturen, die an Bildschirmschoner auf XXL Screens erinnern – waren in den vergangenen Monaten vielerorts zu sehen: Ein Kunsthype, so belanglos und glatt, dass er bald wieder vergessen ist. Ganz sicher keine Eintagsfliegen sind die Arbeiten der Basler Künstlerin Esther Hunziker. Sie hat eine dreissigjährige Praxis im Bereich der Medienkunst im Rucksack und arbeitet an einem Werk, das mit Scharfsinn und Sorgfalt jene Randbereiche der medialen Wirklichkeit umkreist, in denen – so ihre eigenen Worte – «die Starrheit der Maschine ins Wanken gerät, bis etwas Rohes, fast Menschliches zum Vorschein kommt».
Emotionen im luftleeren Raum
Seit drei Jahren arbeitet Esther Hunziker fast ausschliesslich mit KI. Seither sind umfangreiche Werkserien entstanden, u.a. «My Wearable Pets», das 38 Teile umfasst und - mit 176 Teilen noch umfangreicher – «Emboiments». «Der Raum an Möglichkeiten, der sich mit der generativen KI auftut, ist unglaublich. Ich kann Sachen machen, die vorher nicht möglich gewesen sind. Ich will mich überraschen lassen, herausfinden, wie die Maschine denkt. Das ist mein Ansatz.»
Was Esther Hunziker damit macht, kann aktuell in einem stimmungsvollen Ambiente im Zimmermannhaus in Brugg entdeckt werden, das den «Screen Tests» gewidmet ist. Auf beiden Seiten der silbern bemalten Wand, die den Raum teilt, hängen quadratische Monitore. 14 sind es total. Und auf diesen posieren in elegantem Schwarz-Weiss vor einem neutralen Hintergrund etwas verlebt wirkende Personen – in trauter Zweisamkeit mit ihren pelzigen Haustieren. Diese befinden sich in einem Zustand fortlaufender Transformation, einmal schmiegen sie sich eng an ihre Besitzer, um plötzlich wie Krebsgeschwüre zu wuchern, auseinander- oder aufzubrechen. Hunziker zeigt Momente von Nähe, Zärtlichkeit und Vertrautheit. Bilder, die nicht kalt lassen, Empathie auslösen, berühren, aber auch befremden. Sie referieren auf die «Screen Tests» von Andy Warhol, in ihrem Kreisen um das Thema der Identität drängt sich auch der Vergleich mit den «Untitled Film Stills» von Cindy Sherman auf. Während die US-amerikanische Künstlerin untersuchte, wie der Kontext zur Identität einer Person beiträgt, platziert Hunziker ihre Geschöpfe in einem luftleeren Raum und gibt ihnen Attribute, die berühren. Irritation stellt sich dann ein, wenn man bemerkt, dass sie sich nicht nur einer endgültigen Fassbarkeit entziehen, sondern in Tat und Wahrheit gar nicht wirklich existieren.
Anders als man zunächst vermuten würde, ist die Arbeit mit KI ein langwieriger Prozess. Da Esther Hunziker vorzugsweise nachts arbeitet, befindet sich ihr Atelier in der eigenen Wohnung. Das ist praktischer. Ausgangspunkt ist ein sprachbasierter Dialog mit bildgenerierenden Programmen. Die Ergebnisse werden sortiert: Stereotypen und allzu Bekanntes lässt die Künstlerin fallen, Abweichendes und Überraschendes entwickelt sie weiter. Das ist gar nicht so einfach, denn die Entwicklung der KI ist rasant. Mit jedem Programm-Update wird es schwieriger, sich den normierenden Filtern zu entziehen, Körper zu kreieren, denen jene Ambivalenz innewohnt, die Esther Hunziker so sehr interessiert. Im Gespräch mit ihr fallen denn auch häufig Begriffe wie ‘uncanny’ oder ‘creepy’. Ihr Schaffen dreht sich um Entfremdung, Mehrdeutigkeit und produktive Fehler.
Neugier und Entdeckerlust
Esther Hunziker wuchs in der aargauischen Provinz auf. Sie studierte nach einer Ausbildung zur Damenschneiderin in Basel zunächst Modedesign und danach Video. Sie gehört zu den Pionier*innen einer Medienkunst, die sich seit den 1990er-Jahren vornehmlich im Internet entfaltete. Der digitale Raum war Öffentlichkeit und Nische zugleich. Anders als andere junge Künstler*innen wartete sie nach dem Studienabschluss nicht darauf, von einer Kuratorin oder einer Galerie entdeckt zu werden. Vielmehr wurde sie Teil einer international gut vernetzten Community, die in einem Raum agierte, dessen Bedeutung damals von den meisten unterschätzt wurde. Esther Hunzikers reiches Werk im Feld der digitalen Medien umfasst Fotografie, Video, Animation, Installationen und interaktive Online-Abeiten.
Hunziker ist eine Macherin, die mit List und Lust unterwegs ist. Wohin sie der Weg im Neuland, das die KI ist, führen wird, ist ihr nicht klar. Und wenn sie auch gemäss eigener Aussage nicht direkt politisch ist, denkt sie doch viel über Big Tech und ihre unheilvollen Verflechtungen nach. Und wie es so ihre Art ist, versucht sie die Männer von der technologischen Chefetage mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Für ihre grosse letztjährige Einzelausstellung im Kontext des Pax Art Award im Haus der elektronischen Künste HEK in Basel produzierte sie ein Set von Puppen, die mit den Gesichtern etwa von Elon Musk, MarckZuckerberg und Sam Altmann versehen waren. Auf Knopfdruck gaben diese einen wirren, von Unsicherheit und Selbstzweifeln geprägten Monolog von sich. Esther Hunziker hatte ihn mit Hilfe eines in einen Zustand der Überforderung geratenen Open AI – Chats entwickelt.
In eine ähnliche Richtung geht die Künstlerin auch in Brugg, wo wir von einer monotonen Tonspur eingelullt werden. Vom Tonfall her klingt sie wie ein innerer Monolog. Das trägt einiges zur intimen Atmosphäre der Installation bei. Irritation stellt sich erst nach und nach ein, wenn uns bewusst wird, dass wir keinen einzigen der gesprochenen Sätze verstehen. Nicht, weil wir zu blöd sind, dem Sinn des amerikanischen Textes zu folgen, sondern weil die Maschine eine Art Nervenzusammenbruch erlitten hat und aus der Bahn gefallen ist. Das ist lustig und beängstigend zugleich.
Esther Hunziker kam 1969 in Menziken im Kanton Aargau zur Welt. In Basel, wo sie auch heute noch lebt, studierte sie zunächst Modedesign, danach Video. Seit 1996 arbeitet sie als freie Mediengestalterin, Künstlerin und Dozentin im Bereich digitale Medien. Sie hat international ausgestellt und zahlreiche Preise erhalten, u.a. 2024 den Pax Art Award und den Basler Medienkunstpreis. Einzelausstellungen fanden 2025 im Haus für elektronische Künster HEK, 2018 im Kunsthaus Baselland statt. Aktuell ist sie in einer Doppelausstellung «After Glow» im Zimmermannhaus in Brugg und in einer Gruppenausstellung «On your marks, get set, go!» im Kunstforum Baloise Park zu sehen. Ab 26.9. sind Werke von ihr im Rahmen der Ausstellung «Künstliche Gestaltung» im Aargauer Kunsthaus zu entdecken.
Alles ist Suggestion – der feste Stoff, der in eleganten Faltenwürfen vom Kopf über eine körperhafte Silhouette fällt, die Schultern und die Arme, die sich abzeichnen. Doch sehen, ob, was oder wer da vor uns steht, können wir nicht. Denn die Drehungen der verschleierten Figur, die eigentlich das Gesicht zum Vorschein bringen müssten, münden in immer wieder neue Faltenwürfe. In «Foldings» zeigt Esther Hunziker eine Hülle ohne Körper – verführerisch, sehnsuchtsvoll, hohl. Von einem Plattenspieler ertönt in monotonem Singsang «I want to live, I want to love». In der endlos anmutenden Wiederholung wird die weibliche Stimme zum Echo. Die wandfüllende Projektion – sie war unlängst im Basler Ausstellungsraum Klingental zu sehen – ist die neuste Arbeit von Esther Hunziker. Mithilfe von KI erstellt, ist sie fast so etwas wie das Kondensat eines Vorstellungsraumes, der sehr umfassend ist, ohne aber je konkret zu werden. Egal ob man ein Gespenst sieht oder das Bild dem Stereotyp aufbegehrender muslimischer Weiblichkeit zuordnet: Mögliche Bedeutungen werden ebenso schnell überschrieben, wie sie aufgekommen sind.
Körperlichkeit ohne Körper, Sehnsucht ohne Subjekt
Wenn Esther Hunziker mit KI arbeitet, dann schöpft sie aus einem kulturellen Gedächtnis, das nicht nur erinnerungssatt ist, sondern auch Typisierungen in sich trägt, die für die heutige Gesellschaft prägend sind. Diese werden allerdings nicht einfach übernommen, sondern gezielt mit Widersprüchlichkeiten und von eingebauten Brüchen durchsetzt. Es ist die Leistung der Künstlerin, ein Stück Poesie zu kreieren, das nicht nur anspricht und verführt, sondern gleichzeitig seine eigene fragwürdige Struktur offenlegt und widerständig bleibt: Körperlichkeit ohne Körper, Sehnsucht ohne Subjekt. Wir können die geisterhafte Figur in «Foldings» als ein Sinnbild für all die Versprechungen und Erwartungen lesen, die aktuell mit der KI in Verbindung gebracht werden. Sie ist ebenso Wirtschaftsfaktor wie Spekulationsblase, revolutionäre Technologie, ein spätkapitalistisches Phantom.
«Foldings» wird dieses Jahr wohl noch in weiteren Institutionen und Museen zu sehen sein: Die Ausstellungsagenda von Esther Hunziker ist voll. KI beschäftigt die Gesellschaft und – kaum verwunderlich – auch die Kunst. Einige Aufmerksamkeit erhielt letzthin der türkisch-amerikanische Künstler Refik Anadol. Seine Werke – morphende Strukturen, die an Bildschirmschoner auf XXL Screens erinnern – waren in den vergangenen Monaten vielerorts zu sehen: Ein Kunsthype, so belanglos und glatt, dass er bald wieder vergessen ist. Ganz sicher keine Eintagsfliegen sind die Arbeiten der Basler Künstlerin Esther Hunziker. Sie hat eine dreissigjährige Praxis im Bereich der Medienkunst im Rucksack und arbeitet an einem Werk, das mit Scharfsinn und Sorgfalt jene Randbereiche der medialen Wirklichkeit umkreist, in denen – so ihre eigenen Worte – «die Starrheit der Maschine ins Wanken gerät, bis etwas Rohes, fast Menschliches zum Vorschein kommt».
Emotionen im luftleeren Raum
Seit drei Jahren arbeitet Esther Hunziker fast ausschliesslich mit KI. Seither sind umfangreiche Werkserien entstanden, u.a. «My Wearable Pets», das 38 Teile umfasst und - mit 176 Teilen noch umfangreicher – «Emboiments». «Der Raum an Möglichkeiten, der sich mit der generativen KI auftut, ist unglaublich. Ich kann Sachen machen, die vorher nicht möglich gewesen sind. Ich will mich überraschen lassen, herausfinden, wie die Maschine denkt. Das ist mein Ansatz.»
Was Esther Hunziker damit macht, kann aktuell in einem stimmungsvollen Ambiente im Zimmermannhaus in Brugg entdeckt werden, das den «Screen Tests» gewidmet ist. Auf beiden Seiten der silbern bemalten Wand, die den Raum teilt, hängen quadratische Monitore. 14 sind es total. Und auf diesen posieren in elegantem Schwarz-Weiss vor einem neutralen Hintergrund etwas verlebt wirkende Personen – in trauter Zweisamkeit mit ihren pelzigen Haustieren. Diese befinden sich in einem Zustand fortlaufender Transformation, einmal schmiegen sie sich eng an ihre Besitzer, um plötzlich wie Krebsgeschwüre zu wuchern, auseinander- oder aufzubrechen. Hunziker zeigt Momente von Nähe, Zärtlichkeit und Vertrautheit. Bilder, die nicht kalt lassen, Empathie auslösen, berühren, aber auch befremden. Sie referieren auf die «Screen Tests» von Andy Warhol, in ihrem Kreisen um das Thema der Identität drängt sich auch der Vergleich mit den «Untitled Film Stills» von Cindy Sherman auf. Während die US-amerikanische Künstlerin untersuchte, wie der Kontext zur Identität einer Person beiträgt, platziert Hunziker ihre Geschöpfe in einem luftleeren Raum und gibt ihnen Attribute, die berühren. Irritation stellt sich dann ein, wenn man bemerkt, dass sie sich nicht nur einer endgültigen Fassbarkeit entziehen, sondern in Tat und Wahrheit gar nicht wirklich existieren.
Anders als man zunächst vermuten würde, ist die Arbeit mit KI ein langwieriger Prozess. Da Esther Hunziker vorzugsweise nachts arbeitet, befindet sich ihr Atelier in der eigenen Wohnung. Das ist praktischer. Ausgangspunkt ist ein sprachbasierter Dialog mit bildgenerierenden Programmen. Die Ergebnisse werden sortiert: Stereotypen und allzu Bekanntes lässt die Künstlerin fallen, Abweichendes und Überraschendes entwickelt sie weiter. Das ist gar nicht so einfach, denn die Entwicklung der KI ist rasant. Mit jedem Programm-Update wird es schwieriger, sich den normierenden Filtern zu entziehen, Körper zu kreieren, denen jene Ambivalenz innewohnt, die Esther Hunziker so sehr interessiert. Im Gespräch mit ihr fallen denn auch häufig Begriffe wie ‘uncanny’ oder ‘creepy’. Ihr Schaffen dreht sich um Entfremdung, Mehrdeutigkeit und produktive Fehler.
Neugier und Entdeckerlust
Esther Hunziker wuchs in der aargauischen Provinz auf. Sie studierte nach einer Ausbildung zur Damenschneiderin in Basel zunächst Modedesign und danach Video. Sie gehört zu den Pionier*innen einer Medienkunst, die sich seit den 1990er-Jahren vornehmlich im Internet entfaltete. Der digitale Raum war Öffentlichkeit und Nische zugleich. Anders als andere junge Künstler*innen wartete sie nach dem Studienabschluss nicht darauf, von einer Kuratorin oder einer Galerie entdeckt zu werden. Vielmehr wurde sie Teil einer international gut vernetzten Community, die in einem Raum agierte, dessen Bedeutung damals von den meisten unterschätzt wurde. Esther Hunzikers reiches Werk im Feld der digitalen Medien umfasst Fotografie, Video, Animation, Installationen und interaktive Online-Abeiten.
Hunziker ist eine Macherin, die mit List und Lust unterwegs ist. Wohin sie der Weg im Neuland, das die KI ist, führen wird, ist ihr nicht klar. Und wenn sie auch gemäss eigener Aussage nicht direkt politisch ist, denkt sie doch viel über Big Tech und ihre unheilvollen Verflechtungen nach. Und wie es so ihre Art ist, versucht sie die Männer von der technologischen Chefetage mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Für ihre grosse letztjährige Einzelausstellung im Kontext des Pax Art Award im Haus der elektronischen Künste HEK in Basel produzierte sie ein Set von Puppen, die mit den Gesichtern etwa von Elon Musk, MarckZuckerberg und Sam Altmann versehen waren. Auf Knopfdruck gaben diese einen wirren, von Unsicherheit und Selbstzweifeln geprägten Monolog von sich. Esther Hunziker hatte ihn mit Hilfe eines in einen Zustand der Überforderung geratenen Open AI – Chats entwickelt.
In eine ähnliche Richtung geht die Künstlerin auch in Brugg, wo wir von einer monotonen Tonspur eingelullt werden. Vom Tonfall her klingt sie wie ein innerer Monolog. Das trägt einiges zur intimen Atmosphäre der Installation bei. Irritation stellt sich erst nach und nach ein, wenn uns bewusst wird, dass wir keinen einzigen der gesprochenen Sätze verstehen. Nicht, weil wir zu blöd sind, dem Sinn des amerikanischen Textes zu folgen, sondern weil die Maschine eine Art Nervenzusammenbruch erlitten hat und aus der Bahn gefallen ist. Das ist lustig und beängstigend zugleich.
Esther Hunziker kam 1969 in Menziken im Kanton Aargau zur Welt. In Basel, wo sie auch heute noch lebt, studierte sie zunächst Modedesign, danach Video. Seit 1996 arbeitet sie als freie Mediengestalterin, Künstlerin und Dozentin im Bereich digitale Medien. Sie hat international ausgestellt und zahlreiche Preise erhalten, u.a. 2024 den Pax Art Award und den Basler Medienkunstpreis. Einzelausstellungen fanden 2025 im Haus für elektronische Künster HEK, 2018 im Kunsthaus Baselland statt. Aktuell ist sie in einer Doppelausstellung «After Glow» im Zimmermannhaus in Brugg und in einer Gruppenausstellung «On your marks, get set, go!» im Kunstforum Baloise Park zu sehen. Ab 26.9. sind Werke von ihr im Rahmen der Ausstellung «Künstliche Gestaltung» im Aargauer Kunsthaus zu entdecken.
Kunstbulletin 3/26
kunstbulletin.ch