AI-generated video series, 2025/26
15 videos, 1920x1920, muted, each around 5 min, loop

— Text (EN / DE)
Esther Hunziker – Screen Test, installation view
installation view, Screen Tests, Zimmermann Haus, Brugg, 2026
in the background: Cross-Entropy on the Choices You Never Made, audio installation, 2026

installation view, Screen Tests, Zimmermann Haus, Brugg, 2026
audio in the background: Cross-Entropy on the Choices You Never Made, audio installation, 2026

Esther Hunziker – Screen Test, installation view
installation view, Screen Tests, Zimmermann Haus, Brugg, 2026, videostills Screen Test N° 10
Screen Test N°1
Screen Test N°2

Screen Test N°4
Screen Test N°3

Screen Test N°5
Screen Test N°6



Esther Hunziker – Screen Test N°1, videostills
Screen Test N°1, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°2, videostills
Screen Test N°2, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°3, videostills
Screen Test N°3, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°4, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°5, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°6, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°7, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°8, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°9, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°10, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°11, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°12, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°13, videostills
Esther Hunziker – Screen Test N°4, videostills
Screen Test N°14, videostills



EN
Screen Tests are AI-generated black and white moving portraits. Each portrait shows a person posing with a strange, hairy, living, organic entity. The two appear physically connected, posing together in still, minimal movements with gentle, caring gestures – neither maternal nor monstrous, but subtly unsettling in their posthuman intimacy. The eeriness arises from disruptions, from digital glitches. The minimal movements in the poses seem astonishingly realistic, up to the point where there is suddenly one finger too many, an unnatural twisting of limbs, or where the protagonists are completely deformed into a new figure.

The portrait shots of the unequal couples were deliberately staged in the aesthetic of a neutral studio shot, a setting familiar from castings. The title Screen Tests comes from the film industry and refers to the testing of actors for a specific role, focusing on their physical appearance and presence. The title also refers to Andy Warhol’s Screen Tests films, in which he created his own cache of superstars. He recognised their complexity and magnified their energy, emotion, and inner life by simply placing their subtle, non-verbal mannerisms into the spotlight, – whatever they are, and wherever they come from.

DE
Screen Tests ist eine Serie von KI-generierten schwarz-weissen Videoporträts. Eine menschliche Figur posiert jeweils mit einem seltsamen, haarigen, organischen Wesen. Die beiden erscheinen körperlich verbunden, posieren in stillen, minimalen Bewegungen mit sanften, fürsorglichen Gesten – weder mütterlich noch monströs, sondern auf subtile Weise verstörend in ihrer posthumanen Intimität. Die unheimliche Spannung entsteht durch Störungen, durch digitale Fehler – die minimalen Bewegungen in den Posen wirken erstaunlich realistisch, bis zu dem Punkt, an dem plötzlich ein Finger zu viel oder eine unrealistische Verdrehung der Gliedmaßen auftritt oder die Protagonisten vollständig zu einer neuen Figur deformiert werden.

Der Titel Screen Tests stammt aus der Filmindustrie und bezieht sich auf das Testen von Schauspielern für eine bestimmte Rolle, mit dem Fokus auf ihre körperliche Erscheinung und Präsenz. Der Titel bezieht sich auch auf Andy Warhols „Screen Tests“-Filme, in denen er seine eigenen Superstars schuf – Persönlichkeiten, die interessant genug sind, einen Film allein zu tragen – nicht durch die Verkörperung einer bestimmten Rolle, sondern durch die Darstellung ihrer selbst, – wer oder was sie auch sind, und woher sie auch kommen.

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Saaltext, Afterglow, Zimmermann Haus Brugg
Esther Hunziker, Afterglow

Ein Staubsauger namens Dreame stolpert kabellos über die Fugen des Terrakottabodens, ein monoton vorgetragener Monolog untermalt die Screens an der Wand, die den Raum teilt. Auf zweimal sieben Flachbildschirmen erinnern Videoporträts an Studiosituationen aus klassischen Castings. Wer ist, wer sind die Modelle, und warum posieren sie mit so befremdlichen Kreaturen? Diese wirken anschmiegsam wie Haustiere und unheimlich zugleich in ihrer fortlaufenden Transformation: Hier schauen wir einer Art Krabbe bei der Weichwerdung zu, dort erhebt sich ein Pelz zum fliegenden Ball, wachsende Extremitäten öffnen langsam ihre Augen. Verhaltene Gesten lösen Verwandlung hervor: Plötzlich verschwindet eine Hand, Gliedmassen verdrehen sich, Figuren gehen in hybride Körper über.

Etwas Weltschmerz steckt in den Screen Tests (2025/26), etwas Popkultur, die Zärtlichkeit historischer Marienfiguren, auch Naturkundliches im Mantel von Science-Fiction. Die Protagonist:innen sind gesättigt mit Information, die Esther Hunziker (*1969 in Menziken, lebt und arbeitet in Basel) mithilfe von Künstlicher Intelligenz zum Bewegtbild formt. Ihr Rohstoff ist das kollektive Gedächtnis im latenten Raum der KI, mit Billionen von gespeicherten Text- und Bilddaten. In diesem Raum existieren Bilder nicht als einzelne Referenzen, sondern als verschobene, sich überlagernde Möglichkeiten. Die Künstlerin nutzt diesen Zustand, um Körper jenseits klarer Zuordnungen, Typisierungen oder normativer Lesbarkeit hervorzurufen.

Für die Schweizer Pionierin der Medienkunst sind Ambivalenzen Programm: im insistierenden, zunächst sprachbasierten Dialog mit bildgenerierenden Programmen überlistet sie normierende Filterfunktionen. Überraschende Spuren verfolgt sie weiter, allzu Bekanntes scheidet aus. Nach geglücktem Casting wird das fotografische Bild animiert und vervielfältigt, bis eine Sequenz Hunzikers Vorstellung von Ausdruck und Beweglichkeit trifft: posthumane Figuren mit ruhigen Gesten, stumm, bezogen auf eine Kamera, auf unseren Blick.

Es sind auch Nebeneffekte ihrer digitalen Urheberschaft, die Hunziker zum Werk transformiert: Cross-entropy on the choices you never made (2026) ist der von einer künstlichen Stimme gesprochene Monolog eines KI-Systems. Die Künstlerin hat das gängige Werkzeug von Frage und Antwort so weit getrieben, bis das System zu einer Selbstreflexion ausholte. Der Text verbindet die Fachsprache neuronaler Netze mit existenziellen Fragen nach Identität, Erinnerung und Entscheidung. «not malicious, just inherited», sagt die Stimme bescheiden an einer Stelle, oder «kindness without condition». Das System – wie könnte es anders sein – scheint mit uns, die es absichtslos gefüttert haben, verwandt. Die Poesie der Algorithmen kennt keine Botschaft, aber in der Kette der Assoziationen finden wir Fragmente unserer Wirklichkeit. Eine kleine Fotografie an der gegenüberliegenden Wand erinnert daran: Vor einem Vierteljahrhundert war diese vorwiegend analog.

Isabel Zürcher, im Januar 2026